Erik Erikson wurde in Frankfurt geboren, sein biologischer Vater war ein ungenannt gebliebener Däne, seine Mutter, Karla Abrahamsen, war eine junge jüdische Frau, die drei Jahre nach Eriks Geburt einen Dr. Theodor Homberger heiratete. Zur Nazizeit setzte man sich in die USA ab, wo Erik den (frei gewählten) Familiennamen “Erikson” bei der Einwanderungsbehörde angab.
Weil man dem jungen Erik seine biologische Identität verschwieg, hatte er sich zunächst als Erik Homberger gefühlt; die anschließende Namensablehnung und -umänderung in das klangvolle Erik “Erikson” hing also mit der Suche nach seinen biologischen “Roots” zusammen – Identitätsfragen spielten somit nicht nur in seinem Buch IDENTITÄT UND LEBENSZYKLUS, sondern auch in Eriksons eigenem Leben eine große Rolle.
Nicht nur, dass Eriksons jüdische Identität im Nazi-Deutschland (begünstigt durch blond-haariges Äußeres) komplett verborgen wurde: In seiner Studentenzeit war es zunächst nur sein Ziel, Künstler zu werden. Er schlief, durch Europa wandernd, unter Brücken.
Später, beeinflusst durch seinen Freund Peter Blos, tendierte er immer mehr zum psychologischen Wissensbereich hinüber, ließ sich zum Montessori-Lehrer ausbilden, erhielt eine Psychoanalyse bei der berühmten Freudtochter Anna, begann danach ethnologische Forschungen bei den Dakota-Indianern – änderte im Ablauf seines Lebens also sukzessive seine Identität.
Seine Persönlichkeit verändernd wirkten sicherlich auch die geographischen Wechsel: In Wien noch lernte er seine spätere Ehefrau Joan Serson kennen, eine kanadische Tanz-Lehrerin; die Nazis meidend, ging man zunächst nach Kopenhagen (searching for roots!), dann nach Boston. Er übernahm Lehraufträge an den Universitäten Harvard, dann Yale, schließlich Berkeley. Er entwickelte Abscheu vor der McCarthy-Ära und ließ seine Lehrtätigkeit mehrere Jahre ruhen.
Seine Bemerkung “Identität, das ist der Schnittpunkt zwischen dem, was eine Person sein will, und dem, was die Welt ihr zu sein gestattet…” wird durch die wechselhaften Außenwelten in Eriksons Biographie mehr als nur bebildert.
Es lohnt sich anschließend (nach seinem Hauptwerk IDENTITÄT UND LEBENSZYKLUS) auch seine weiteren Publikationen einmal anzusehen: In “Kindheit und Gesellschaft” analysiert er Hitler, Gorki – und die Lebensbedingungen des oben erwähnten Sioux-Indianerstammes “Oglala Dakota”. Für sein Buch “Gandhis Wahrheit” bekam er den Pulitzerpreis. Sehr bemerkenswert ist seine die “psychohistorische” Forschungsrichtung begründende Veröffentlichung “Der junge Mann Luther”.
Die Frage der Identitäts-Werdung also ist Eriksons ständiges und wahrlich am eigenen Leibe erfahrenes Thema – unverzichtbar für alle, die sich verstehend mit Lebensläufen beschäftigen…



Comment by frizztext — 2010/01/18 @ 18:11 |
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A
dr. frank semper: … Fritzes Einwürfe geraten nicht schematisch, sondern geistreich. Der Kritiker präsentiert nicht allein Lesefrüchte, er verabreicht keine Zusammenfassungen des Lesestoffs, er vernetzt ihn assoziativ mit den eigenen Erlebnissen. Das führt zu erstaunlichen Resultaten und die Kritiken geraten so vielfältig und schillernd wie das Leben selbst. Das gekonnte Hin- und Herschwenken zwischen Unbedeutendem und Tiefsinnigen macht die Stärke dieser Texte aus. Fritze hält Zwiesprache mit dem Leser…
B
klaus j. grunenberg: … Diese Botschaften aber sind menschliche Hinweise. Hinweise auf Glück, Frieden, Trauer, Verarbeitung derselben und Hinführung zu menschlichem Miteinander. Das alles hört sich ziemlich philosophisch an und ist es auch. Aber es ist nicht überzogen, ist von “dieser Welt”, nicht abgehoben. Und somit ist es zutreffend sinnvoll und berührend, was der Autor uns liefert. Ja, es scheint mir sogar, daß eines Tages ein größeres Werk zu erwarten ist. Die Skizzen dazu sind erfolgreich gemacht worden.
C
richard koechli, luzern: … Fritze zeigt immer wieder unmissverständlich seine “Verpflichtung zur Identität”, er stellt diskret in Frage, kommentiert persönlich (womit man/frau im Detail nicht immer einverstanden sein muss), kritisiert (mit der nötigen Rücksicht, wenn sie angebracht ist) – und motiviert somit seine Leser/innen, im Labyrinth des menschlichen Geistes mit Mut und Beharrlichkeit einen eigenen Weg zu suchen. Nicht nur aus Spass, sondern aus dem tiefgreifenden Wunsch nach Hoffnung, Erkenntnis, Entwicklung…
Comment by frizztext — 2010/01/19 @ 13:56 |
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