“Da sie mich nicht fassen konnten, beschlossen sie, meinen Körper zu bestrafen…” dieser Satz war der erste, der mir im Gedächtnis, ja in der Seele hängen blieb, Anlass genug, auszukundschaften, um wen es sich bei diesem Henry David Thoreau (12.7.1817-2.5.1862) handelt.
Er war dem Kreis des gesellschaftskritischen Netzwerks um Ralph Waldo Emerson (1803-1882) zuzurechnen, das sich Mitte des 19. Jahrhunderts an der amerikanischen Ostküste etablierte. Thoreaus “CIVIL DISOBEDIENCE” (“Über die Pflicht zum Ungehorsam gegen den Staat”) – dieser Text hat weltweit Wirkungen hinterlassen.
Gandhi trug ihn bei seinen häufigen Gefängnisaufenthalten bei sich, Hermann Hesse beein-flusste er nicht unwesentlich, die Resistance gegen Hitler-Deutschland benutzte ihn zur Rückgrat-Stärkung, Martin Luther King oder Joan Baez waren davon inspiriert, Herbert Marcuse nahm ihn in sein Nachdenken auf.
Thoreaus Denken ist natürlich nicht originär – was zumeist auf alles Denken zutreffen dürfte, wenn man ehrlich ist. Vorläufer-Strukturen findet man in der “Antigone” des Sophokles (von Thoreau übersetzt) oder in dem Essay des Montaigne-Freundes Boetie “Discours sur la servitude volontaire”.
Als Handlungsanleitung für politische Aktionen dürfte Thoreaus Meinungsspektrum angesichts der immer komplizierter werdenden administrativen Systeme, die sich auf alle Formen von Widerstand immer geschickter einzurichten wissen, wohl heutzutage nicht mehr taugen. Mit Sitzstreik oder Stromgeld-Verweigerung dürfte kaum mehr eine globale Weltverbesserung, viel eher jedoch die Lächerlichkeit des peinlich Skurrilen erreicht werden.
Der Rückzug in eine Thoreausche Waldblockhütte dürfte – allein schon angesichts der somit verschlechterten medizinischen Versorgungs-lage – nicht eine den breiten Bevölkerungsschichten anzuratende Methode sein.
Aber eine kreative, umgestaltende, den neuen Situationen unserer Gegenwart angepasste Thoreausche Denkweise, könnte eine wesentliche Hilfe für einen Wechsel in einen sinnvolleren “Öko”-Lebensstil sein…



Comment by frizztext — 2010/01/18 @ 18:28 |
per e-mail:
margarete: Die psychologischen Hintergrundstrukturen der “Täter” sind auch die des Täters als Opfer. Ausdrücklich möchte ich jedoch betonen, dass ich jede Gewaltanwendung verabscheue, besonders an Wehrlosen. …”da sie mich nicht fassen konnten, beschlossen sie meinen Körper zu bestrafen…” von Thoreau: Das ist auch Ausdruck der Hilflosigkeit von Tätern. Es ist erschreckend, dass diese Ausdrucksform wieder so verstärkt auftritt, und kann wohl nur durch Aufklärung eingedämmt werden.
Comment by frizztext — 2010/01/19 @ 11:07 |
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